I am Your Substitute "..."

Ablauf
Die Zeit vom 13.3.2013 bis zum 24.3.2013 habe ich im Rahmen des Projektes „Human Hotel“ von der Organisation wooloo.org bei der Familie T. in Kopenhagen verbracht.
Zwei Tage lang haben sie mir ihre Familiengeschichte erzählt. In erster Linie war ich mit der Mutter V. und ihrem 24 jährigen Sohn  F. konfrontiert, der derzeit gerade dort wieder wohnt. Sein Vater ist Deutscher, die Eltern haben sich getrennt als seine Schwester zwei und er vier Jahre alt waren. Er vermisst die männliche Energie in der Familie, seiner Mutter fehlt „Aufregung“ bzw . „Excitment“.
Auch damit ich nicht den Vater, der psychisch krank ist, in Deutschland lebt und seit fünf Jahren keinen Kontakt mehr zu Familie hat ersetze, erfinden wir gemeinsam den 45 jährigen Immanuel Feydt, der der Sohn des Halbbruders des Vaters ist. Ich mische Elemente der meine Familiengeschichte in die Bografie von Immanuel, damit auch er für mich eine ersehnte Existenz bekommt. So ist er der Nachkomme einer jüdischen Lebensgefährtin meines Großvaters. Detaillierte Lebensgeschichte und auch eine genaue Beschreibung meiner Erlebnisse in der Familie habe ich in Tagebuchform festgehalten. Ich wachse in die Rolle und bin besonders mit dem Sohn der Familie als Immanuel unterwegs. Tatsächlich schaffen wir es, dass der Sohn in dieser Woche mit seinem Vater spricht. Immanuel hat eine wunderbare Geburtstagsfeier mit Freunden der Familie, die alle nicht über die wahre Existenz von Immanuel Bescheid wissen. Selbst den nächsten Familienmitgliedern wird Immanuel als wirklicher Verwandter vorgestellt. Immanuel geht ins Museum, nach Christiana und auf eine Gesundheitsmesse. Er sieht die Sehenswürdigkeiten der Stadt., ist immer mit einem Familienmitglied unterwegs.
Er ist ein Teil der Familie. In der finalen Präsentation schart er die Familie um sich, erzählt seine Lebensgeschichte und die Familie demonstriert ein Ritual. Süße Eier aus Haferflocken, Kakao und Butter werden herumgereicht. Einige von ihnen haben eine Kichererbse versteckt. Alle die diese erhalten müssen sich zusammenfinden und den andren etwas vorführen. Die Gruppe singt ein sehr berührendes hebräischen Lied.
Über die Dauer des Aufenthaltes ist ein Buch entstanden, dessen Grundlage ein altes deutsche Gedichtsband mit Illustrationen ist. Wir haben Polaroids von den Tageereignissen, der Familie und Immanuel hineingeklebt. Immanuel hat viel von dem, was ihm die Familie erzählt hat hineingeschrieben. Seine Gedanken. Seine Biografie. Das Album ist bei der Familie geblieben.

Konzept
Als Projekt in einer Familie ein Familienmitglied zu ersetzen ist die optimierte Form Leben und Kunst zu vermischen. Trotz erfundener Biografie fand eine Durchmischung der Lebensgeschichten der Familie und mir statt. Ich habe einen in der Familie realen deutschen Anteil vertreten, ich habe meine reale männliche Energie etabliert, wir haben uns real uns um Familienangelegenheiten gekümmert und in der Realität aller Protagonisten hat sich etwas verändert. Dass das Projekt als Kunstprojekt deklariert war, hat ermöglicht dass sich die Familie darauf eingelassen hat und dass ich mich nicht als Eindringling gefühlt habe. Human Hotel hat das Projekt legitimiert. Beide Seiten konnten sich im Rahmen des als Kunst und virtuelle Realität geplanten Projektes ganz auf ihre Funktionen hingeben und das Maximum an Nähe und Offenheit zulassen. Ich war Immanuel, ein Mensch, der sich für die Familiengeschichte der Ts interessiert und Einblick bekommt. Ich habe Familie bekommen.

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März 2013, „Human Hotel“ von der Organisation, wooloo.org
Skt. Kjelds Kvater, Kopenhagen, Dänemark

Dauer: 10 Tage

Equipment: 1 Polaroidkamera und Filme,
ein altes Buch mit deutschen Gedichten und Zeichnungen,
diverse Kleidung

Photos © Dorothea Seror

www.humanhotel.de

Video